Das Heilige Antlitz – das Volto Santo

In Manoppello ist ein Angesicht, das alle Dimensionen sprengt – das Volto Santo. Es ist nicht von Menschenhand gemacht. Es ist ein hauchdünnes Tuch aus Muschelseide, Byssus genannt, das nicht bemalt werden kann. Auf dem transparenten Tuch ist ein Antlitz zu sehen, das je nach Lichteinfall ganz verschieden ist im Ausdruck. Im Psalm 104 finden wir den Schlüssel zum Verständnis:

Herr, mein Gott, wie groß bist du!
Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid,
Licht ist dein Gewand, das du an hast.

(Psalm 104,1+2 (103))

Es ist das Angesicht, das den heiligen Johannes zum Glauben an die Auferstehung führte noch bevor die Jünger von der Schrift her wussten, dass „Er von den Toten auferstehen musste“ (Vgl. Joh 20,8+9).
Dieses „Erste Testament“ von der Auferstehung unseres HERRN, dieses transparente Tuch – ganz ohne Farbe – wird zum Mutter-Bild oder Urbild aller Christus-Darstellungen in der Kunstgeschichte bis zum 16. Jahrhundert in der Westkirche und in der Ikonographie bis heute. Ganz gleich ob das Antlitz Christi in der Technik von Fresken-, Bild-, Kreuz-, Mosaik- oder Buchmalerei dargestellt wurde; es war immer das des großen Siegers.
Der Schlange ist der Kopf zertreten, wie es nach dem Sündenfall „der Frau“ verheißen worden ist. Der Drache ist besiegt; er muss frei geben, was er durch List Gott geraubt hat.
In jeder Kirche der frühen Zeit ist nicht nur das heilige Kreuz mit unserer Erlösung, sondern auch das Antlitz des Siegers dargestellt und zu sehen gewesen. Denn was nützt die Befreiung am Kreuz, wenn sie nicht in den Sieg mündet? Die Auferstehung Jesu ist das Siegel, die Ratifizierung des Vaters, der den Kreuzestod Jesu zur Sühne unserer Sünden angenommen hat und dadurch die geschenkte Erlösung an uns wirksam werden kann. Was Jesaja in Kapitel 26 noch als erwartende Hoffnung verkündet, ist erfüllt:

…wer in der Erde liegt, wird erwachen und jubeln.
Denn der Tau, den du sendest, ist ein Tau des Lichts;
die Erde gibt die Toten heraus.

(Jes 26,19)

Im Volto Santo schauen wir den „Tau des Lichtes“, schauen wir den Tau, die Morgenfrische der Ewigkeit im Angesicht des Erstgeborenen von den Toten.

ER sagt uns immer neu: Ich lebe und auch du sollst leben!

Die VIER – Nicht von Menschenhand gemacht

Das Volto Santo gehört zu den vier „Bildern“ oder besser gesagt Darstellungen, die „nicht von Menschenhand gemacht“ sind, d.h. ihre Entstehung und Existenz sind nicht erklärbar.
Diese Vier haben einen inneren Bezug und können in zwei Gruppen eingeteilt werden: Guadalupe–Turin und Manoppello–Absam. Warum?

Guadalupe – Gottesmutter Maria

In Guadalupe sehen wir in der ganzen Person die Gottesmutter Maria als „Werdende Mutter“, die uns die Menschwerdung GOTTES in JESUS CHRISTUS, Ihrem Sohn, verkündet.

Turin – Unser Herr JESUS CHRISTUS

In Turin sehen wir die ganze menschgewordene Person unseres Herrn JESUS CHRISTUS, die auf grausame Art getötet und danach begraben wurde.

Manoppello – Das Antlitz JESU CHRISTI

In Manoppello sehen wir das „licht-volle“ Antlitz JESU CHRISTI im ersten Moment der Auferstehung im Grab.

Absam – Das Antlitz der Gottesmutter Maria

In Absam sehen wir das Antlitz der Gottesmutter Maria. Vielleicht war das der erste Augenblick, als sie ihrem Sohn und auferstandenen Herrn JESUS CHRISTUS begegnete?